Stau auf der Frankfurter Straße: „Da hat’s wieder auf der A3 gekracht…“ knurrten routiniert die Niedernhausener Verkehrsteilnehmer am Morgen des 20. Juli. Diesmal ging der Stau aber auf das Konto der Gemeinde, Bauhof und Ordnungspolizei waren zu einer „Transportaktion“ ausgerückt. An dieser Stelle vielen Dank an die Kollegen für den Einsatz!
Schon vor einigen Monaten hatte HessenMobil, in deren Verantwortlichkeit die Frankfurter Straße als Landesstraße liegt, die Gemeinde aufgefordert, die großen Steinbrocken aus der stillgelegten Haltebucht zu entfernen. Eine etwas verzwickte Situation – die Straße gehört dem Land, die Steine aber der Gemeinde! Dicke Wackersteine können wir immer mal brauchen, also war uns auch daran gelegen, die Dinger sorgsam im Bauhof einzulagern. Drei der Steine haben aber ein besonderes Schicksal, sie sind zu Kunst geworden!
Der Oberjosbacher Künstler Khaled Dayani hat die drei „dicksten Brocken“ auf dem Wilrijkplatz positioniert, golden angestrichen und mit einer Umwicklung aus Seilen versehen. Definitiv etwas Neues und ein Blickfang in der Gestaltung des Platzes! Wir hoffen, dass die goldenen Steine Anlass zu Gespräch und Diskussion werden – denn auch das ist eine Funktion von Kunst. Sie regt den Austausch zwischen Menschen an! Und wer weiß, vielleicht werden die Steine mit der Zeit zu Landmarken und Treffpunkten: „Ich warte am goldenen Stein auf dich!“
Wir haben uns mit Khaled Dayani unterhalten und ihn gefragt, was es mit diesem Kunstprojekt auf sich hat:
Steine vom Kiesel bis zum Felsbrocken bekommen einen goldenen Anstrich – was bedeutet diese Transformation?
Khaled Dayani: Diese Transformation ist ein Spiegel. Der Stein bleibt Stein. Aber unser Blick auf ihn verändert sich.
Seit Millionen Jahren liegt er hier. Unsichtbar. Durch das Gold und das Hanfseil wird er sichtbar.
Er wird zum Boten. "Wert fängt mit Wort an".
Transformation heißt: Wir nehmen, was da ist, und geben ihm eine neue Bedeutung.
Und so wie der Stein sich verwandelt, können auch wir uns verwandeln - in der Begegnung.
Wie kam es zu der Idee für die „Golden Stones / StadtGold“?
Khaled Dayani: Die Idee kommt aus meinem langfristigen Projekt „Polis Homosapiens.“ Seit 1994 arbeite ich international an Projekten der Verständigung - mit Menschen und mit der Natur. Wir Menschen sind nur deshalb erfolgreich geworden, weil wir zu ständiger Wandlungsfähigkeit verpflichtet sind. Wir verwandeln. Wir geben Dingen Bedeutung.
Ich wohne seit über 10 Jahren mit meiner Familie in Niedernhausen-Oberjosbach.
Hier liegen die Zeugen der Eiszeit im Boden. Ich dachte: Lass uns sie nicht verstecken!
Lass uns sie transformieren. Zu Kunst. Zu Gespräch. Zu einem Stein, den man verschenken kann. So entsteht Erlebnisreichtum im öffentlichen Raum!
Am 20. Juli 2026 haben sich drei besonders prachtvolle goldene Steine den Rathausplatz/Wilrijkplatz als ihren neuen Ruheplatz ausgesucht. Was macht Niedernhausen geeignet für sein eigenes „StadtGold“?
Khaled Dayani: Weil Niedernhausen Wandlungsfähigkeit lebt!
Der Boden erzählt von der Eiszeit. Die Menschen erzählen von heute.
Und die Bürgermeisterin mit dem Bauhof hat gezeigt: Wir können gemeinsam etwas verwandeln.
Einen Platz. Eine Idee. Niedernhausen hat Herz und Boden.
Der Platz kann zum "Welthof" werden: Ein Dreieck, wo aus aller Welt Steine zusammenkommen. Ein Ort der Transformation und Begegnung!
Beruf oder Berufung: Wie sind Sie Künstler geworden?
Khaled Dayani: Für mich ist es Berufung. Der Forscher fand nicht selten mehr als er zu finden wünschte. Ich habe gesucht und habe Transformation gefunden.
Kunst ist für mich die Fähigkeit, Bestehendes neu zu sehen. Einen Findling in einen "Golden Rock" zu verwandeln. Einen Vorbeigehenden in einen Teilnehmer. Wenn das gelingt, dann habe ich meinen Job als Künstler gemacht!
Was Khaled Dayani noch gerne sagen wollte:
Ich wohne hier in Oberjosbach. Für mich ist es wichtig, auch einen Beitrag zu leisten. Für die Gemeinschaft, für das Zusammenleben.
Deshalb stelle ich diese Steine der Gemeinde Niedernhausen als dauerhafte Leihgabe zur Verfügung - im Geiste eines Geschenks an die Bürgerinnen und Bürger. StadtGold soll kein Objekt sein, das man nur anschaut. Es soll ein Anlass sein, miteinander ins Gespräch zu kommen.
An dieser Stelle möchte ich der Gemeinde Niedernhausen, Frau Bürgermeisterin Maier-Frutig und ihren Mitarbeitenden, besonders dem Team vom Bauhof, herzlich bedanken. Dazu passt, was Goethe einmal geschrieben hat:
“Und Dein Streben sei’s in Liebe und Dein Leben sei die Tat!”

