Die Niedernhausener Gemeindevertretung hat in ihrer Sitzung am 04. Februar den Gemeindehaushalt für 2026 einstimmig beschlossen. Vorausgegangen war intensive Detailarbeit im Fachdienst für Finanzmanagement der Gemeinde und in den Ausschüssen. Das Ergebnis steht im Zeichen der anhaltend großen finanziellen Herausforderungen für Städte und Gemeinden: Der Haushalt ist grundsätzlich genehmigungsfähig. Anders als andere Gemeinden der Region schafft Niedernhausen das, ohne 2026 die Grundsteuer erhöhen zu müssen.
Trotzdem kein Grund zur Erleichterung, erklärte Bürgermeisterin Lucie Maier-Frutig schon im Vorfeld auf einer Informationsveranstaltung für interessierte Bürgerinnen und Bürger: „Die Gemeinde konnte dank und strengem Sparkurs einen funktions- und genehmigungsfähigen Haushaltsplan aufstellen. Doch unsere Rücklagen sind nicht unendlich, wir zehren jetzt an der Substanz.“
Insgesamt hat die Gemeinde mit einem Defizit von 2,7 Millionen Euro zu kalkulieren.
Warum ist weniger Geld vorhanden?
Ein wichtiger Grund dafür ist die massive Steigerung der Kosten in fast allen Bereichen, besonders im Bereich der Personalkosten, aber auch beim Bauen – jede Baumaßnahme kostet um einiges mehr als noch vor wenigen Jahren. Ein weiterer Grund ist ein massiver Rückgang an Einnahmen aus der sehr stark konjunkturabhängigen Gewerbesteuer. Diese Entwicklung beginnt schon 2020/21 (beeinflusst durch die Corona-Pandemie und dem dritten Rezessionsjahr in Folge) macht sich in der Veranlagung aber erst jetzt bemerkbar.
Ebenfalls entscheidend: Nach wie vor bekommen Städte und Gemeinden von Bund und Land Aufgaben übertragen, die nicht effektiv gegenfinanziert werden. Das heißt, auch Niedernhausen muss immer mehr leisten, bekommt aber zu wenig Geld dafür – und das schon seit vielen Jahren. Zu diesen „Pflichtaufgaben“ gehört der gesamte Bereich der „Daseinsvorsorge“, unter anderem Sozialleistungen und Kosten für den ÖPNV, die wir über Kreis- und Schulumlage bezahlen. Weiterhin der Unterhalt von Kitas sowie die gesamte Finanzierung der Feuerwehren. Aber auch die Personalkosten, erhöht durch die vom Bund geschlossenen Tarifverträge.
Maßnahmen von Bund und Land, wie die Zuweisung von 380.000 Euro aus dem „Sofort-Hilfe-Programm“ des Landes Hessen verbessern die Lage zwar, entspannen sie aber nicht nachhaltig.
Also vor allem Sparen – wie weit geht „Sparen“?
Die Gemeinde Niedernhausen greift noch nicht zum Instrument der Grundsteuer-Erhöhung, wie das andere Kommunen derzeit tun. Stattdessen spart die Gemeindeverwaltung wie schon 2025 erst mal bei sich selbst. Wir haben bereits im letzten Jahr jeden Kostenträger genaustens auf Einsparpotentiale geprüft und viele nicht zwingend notwendige Maßnahmen gestrichen. Im Bereich Personal wird jede freie Stelle sehr genau daraufhin geprüft, ob sie derzeit überhaupt neu besetzt werden muss. An vielen Stellen wurden Aufgaben neu verteilt, um so die anfallende Arbeit ohne zusätzliches Personal stemmen zu können.
Einsparungspotentiale gibt es auch im Bereich Digitalisierung: Hier müssen wir uns als Kommunalverwaltung weiterentwickeln. Allerdings konnten wir bereits jetzt einige sehr teure Anwendungen und Softwares durch günstigere Alternativen ersetzen.
Auch wenn wir in der Verwaltung jedes Budget genaustens geprüft haben – manche Dinge können wir schon vom rein moralischen Standpunkt nicht streichen. Dazu gehören Baumaßnahmen wie die dringen nötige Sanierung des Lenzhahner Weges, die 2026 starten soll. Auch Ausgaben, an die wir vertraglich gebunden sind, können wir nicht einfach „verschwinden lassen“ – dazu gehören zum Beispiel bestimmte Formen der Vereinsförderung.
Viele sogenannte „freiwillige Leistungen“ machen das Leben in Niedernhausen lebenswert: Der Betrieb von Sportstätten und dem Waldschwimmbad gehört dazu. Ebenso die Unterstützung des Ehrenamts in Vereinen, Initiativen und der Feuerwehren, oder gemeindeeigene Beiträge für den ÖPNV. Dazu ein Beispiel: Wir könnten am Beitrag für den Betrieb der Buslinie 22 pro Jahr etwa 440.000 Euro sparen. Aber stellen wir uns doch einmal vor wie es wäre, wenn kein Bus von Oberjosbach über Niedernhausen weiter nach Wiesbaden fahren würde! Viele Schülerinnen und Schüler könnten nicht mehr autark ihre Schule besuchen und viele Arbeitnehmer wären wieder auf das Auto angewiesen.
Und was ist mit den Mitteln, mit denen wir gute und wichtige Initiativen mit viel ehrenamtlichem Engagement, wie die Musikschule, das FRITZ Familienzentrum, die Jugend- und Seniorenarbeit und viele ähnliche Dinge fördern? Wie würde Niedernhausen aussehen, wenn es das nicht mehr gäbe?
Wir müssen als Gemeinde unser Möglichstes tun, Initiativen mit bürgerschaftlichem Engagement weiter zu erhalten. Das Ehrenamt deckt viele Bereiche ab, die der Staat nicht abdecken kann. Das Ehrenamt schafft buchstäblich Lebens-Wert, einen Mehrwert der mit Geld nicht zu beziffern ist!
Gleichzeitig müssen wir bauen, sanieren und reparieren. Wir müssen auch unser Personal in der Verwaltung, den Kitas und dem Bauhof auskömmlich versorgen und an uns binden.
Bürgermeisterin Lucie Maier-Frutig fasst die Lage so zusammen: „Sparen müssen und nicht so können, wie man will, ist ehrlicherweise frustrierend. Doch es ist unsere Pflicht und es lohnt sich: Unsere freiwilligen Leistungen halten die Gemeinde lebendig und stärken den sozialen Zusammenhalt, sie sind, was die Gemeinschaft zusammenhält. Immer wieder müssen wir nachdrücklichst fordern, das Bund und Land die Kommunen angemessen finanzieren. Sonst steht viel auf dem Spiel: Dann wird kommunale Selbstverwaltung zur Worthülse, dann wird die Demokratie unterhöhlt und das Leben vor Ort deutlich ärmer.“

(Haben den Haushalt 2026 vorgestellt: Bürgermeisterin Lucie Maier-Frutig, der Leiter des Fachdienstes Finanzmanagement Horst Schlicht (l.) und der Erste Beigeordnete Dr. Norbert Beltz (r.).

